Upgrade auf den Linux Kernel 4.0

In letzter Zeit war ja viel in den IT Medien zum Thema „Neue Linux Kernel Version 4.0“ zu lesen (z.B. Heise, Golem oder Pro-Linux). Ich fand es wurde auch ein wenig übertrieben und der Neue Kernel hätte Versionsnummer 3.20 bekommen können. Aber das ist eine andere Geschichte. Hier und jetzt möchte ich euch zeigen wie Ihr auf den Mainline-Kernel „4.0.0-040000rc2-generic“ aktualisieren könnt.
Bevor Ihr damit Ihr damit startet, solltet euch klar sein, das diese Version der 2. Release Candidate (RC2) ist. D.h. eine Version mit bereits allen neuen Funktionen, welche aber abschließend noch auf verbleibende Fehler überprüft werden muss (Qualitätskontrolle). Falls noch Fehler ausgebessert werden, wird ein weitere Release Candidate veröffentlicht. So lange bis die Qualitätsstandards erreicht wurden.
Des weiteren sollte erst ein „Stable Release“ auf Produktivsystemen eingesetzt werden.

Hinweis: Diese Anleitung richtet sich nicht unbedingt an Linux Neulinge. Sollte euer System danach nicht laufen übernehme ich keine Haftung oder Support. Falls der Fall eintritt, solltet Ihr selber in der Lage sein es wieder zum laufen zu bringen. Ihr seid selber dafür verantwortlich was Ihr macht.

Linux Kernel Verion herausfinden

Wenn Ihr nicht genau wisst, welche Kernel Version installiert ist, könnt Ihr dies über:

uname -sri

herausfinden. Dort wird auch gleich angezeigt ob es sich um ein 32bit oder 64bit System handelt. Die Ausgangslage auf meinem Testsystem ist Linux Mint 17.1 Kernel: Linux 3.13.0-24-genertic x86_64.

Voraussetzungen

  1. Du kannst mit Linux und dem Terminal umgehen.
  2. Ein Backup von deinen persönlichen Daten wurde für den Notfall erstellt !
    • Dies kann bei Ubuntu und Devarianten z.B. über das Programm Datensicherungswerkzeug erfolgen.
  3. Das jetzige System läuft stabil bzw. macht keine großen Probleme die ein Upgrade behindern könnten.
  4. Die Partitionen /boot und /root haben noch genügen Speicher frei.
  5. Extra Module wurde entfernt um spätere Fehler zu vermeiden.
    • Damit sind Module wie Grafikkartentreiber (nvidia, fglrx), Treiber für Netzwerkkarten (FRITZ!Cards) oder andere extra Treiber (virtualbox**) gemeint.
**Wurde bei mir nicht deinstalliert. Außer einem Error bei der Kernel Installation konnte ich noch nichts feststellen:
Error! Bad return status for module build on kernel: 4.0.0-040000rc2-generic (x86_64)
Consult /var/lib/dkms/virtualbox-guest/4.3.10/build/make.log for more information.

Vorbereitung

Die neuen Linux Kernel Dateien sollten in einen neuen leeren Ordner heruntergeladen werden:

mkdir kernel4
cd kernel4

Sind dann alle Voraussetzungen erfüllt, können wir für unsere System den entsprechenden Kernel und die Version auswählen.
Hier wird zwischen 32bit und 64bit Systemen entschieden! Wenn Ihr euch nicht sicher seid, könnt ihr mit folgenden Befehl noch mal überprüfen was aktuell installiert ist:

uname -i

Bei 32bit System (i386) sollten folgende Pakete für ein Upgrade auf Kernel 4.0 heruntergeladen werden:

linux-headers-4.0.0-040000rc2-generic_4.0.0-040000rc2.201503031836_i386.deb
linux-headers-4.0.0-040000rc2_4.0.0-040000rc2.201503031836_all.deb
linux-image-4.0.0-040000rc2-generic_4.0.0-040000rc2.201503031836_i386.deb

Bei 64bit System (x86_64 / AMD64) sollten folgende Pakete für ein Upgrade auf Kernel 4.0 heruntergeladen werden:

linux-headers-4.0.0-040000rc2-generic_4.0.0-040000rc2.201503031836_amd64.deb
linux-headers-4.0.0-040000rc2_4.0.0-040000rc2.201503031836_all.deb
linux-image-4.0.0-040000rc2-generic_4.0.0-040000rc2.201503031836_amd64.deb

Die Versionssummern wie

Alle alte und neuen Ubuntu Kernel können von dieser Quelle bezogen werden:

http://kernel.ubuntu.com/~kernel-ppa/mainline/?C=N;O=D

Upgrade ausführen

Die 3 Linux Kernel Pakete können jetzt gemeinsam über folgenden Befehl installiert werden. Nach erfolgreicher Ausführung sollte Linux durch einen neu Start den Kernel laden:

sudo dpkg -i *.deb
sudo reboot

Zum abschließenden überprüfen kann folgende Log Datei kontrolliert noch werden:

/var/log/dpkg.log

Erst jetzt, wenn alles läuft, sollten die extra Module (Grafikkartentreiber, etc.) neu installiert werden.

Nach einem kurzen Test mit dem neuen Kernel kann ich sagen das er bei mir ohne Probleme läuft.
Wobei dies natürlich nicht aussagekräftig ist, da ich nicht alle Funktionen mit unterschiedlicher Hardware testen kann / werde.

Als abschließender Hinweis sei noch gesagt, das Ubuntu.com Mainline-Kernel nicht unterstützt. Wenn Ihr darauf angewiesen seid, solltet Ihr die aktuell unterstützten Kernel nutzen: 3.5,  3.8,  3.11 oder 3.13

 

Update 16.03.15
  • Unter Vorbereitung 32bit und 64bit Linux Kernel Namen überarbeitet und die Quelle hinzugefügt.
  • Seit Veröffentlichung dieses Artikels gibt es bereits v4.0-rc3 und v4.0-rc4, welche noch viele Änderungen enthalten. Sollte ich das Stable Release rechtzeitig mitbekommen, wird dies natürlich auch getestet und Bericht erstattet.

3 Replies to “Upgrade auf den Linux Kernel 4.0”

  1. ein Laie

    Vielen Dank für diesen Artikel.
    Vor allem entlich mal ein Sach-Text zum
    Thema Linux (kernel) auf Deutsch.

  2. Andre Post author

    Hi tomx3,
    Danke für den Hinweis. Ursprünglich wollte ich das wget dort gar nicht haben ;-)
    Da es keine „1 zu 1“ Anleitung werden sollte, habe ich es jetzt angepasst (ohne wget).